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14. Dezember 2024
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Projektprüfung der EU-Taxonomie: Revisionsansätze für die Praxis

Die EU-Taxonomie bringt neue Berichtspflichten – und neue Herausforderungen für Unternehmen. Wie kann die Interne Revision diesen Transformationsprozess wirksam unterstützen? In unserem Fachbeitrag zeigt Katrin Andriani praxisnah, wie Projektprüfungen und -begleitungen zur Umsetzungssicherheit beitragen. Mit konkreten Ansätzen, klaren Prüfzielen und fünf kompakten Praxistipps.

Revisoren bei der Arbeit

Nachhaltigkeit prüfen – aber wie?

Die EU-Taxonomie-Verordnung stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen – nicht nur hinsichtlich der Offenlegung ökologischer Kennzahlen, sondern auch bei der organisatorischen Umsetzung entsprechender Anforderungen. Die Interne Revision kann hier durch Projektprüfungen oder projektbegleitende Maßnahmen einen wertvollen Beitrag zur Risikominimierung und Umsetzungssicherheit leisten.

Einordnung der EU-Taxonomie in den regulatorischen Rahmen

Mit der EU-Verordnung 2020/852 („EU-Taxonomie“) verfolgt die Europäische Kommission das Ziel, Investitionen gezielt in ökologisch nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten zu lenken. Die Verordnung wird schrittweise eingeführt und stellt hohe Anforderungen an die Berichts- und Offenlegungspflichten – insbesondere für große Unternehmen und Finanzmarktakteure.

Die relevanten Berichtspflichten sind u. a. im Zusammenspiel mit der Verordnung 2021/2178 geregelt. Unternehmen müssen unter anderem offenlegen, in welchem Umfang ihre Wirtschaftstätigkeiten taxonomiefähig oder taxonomiekonform sind – ein differenziertes System mit hoher Komplexität und großem Interpretationsspielraum.

Herausforderungen bei der Umsetzung

Viele Institute verfügen bislang nicht über vollständig strukturierte Datenquellen, um die geforderten Kennzahlen zu erheben. Gleichzeitig erschweren häufige Nachjustierungen durch die EU-Kommission – etwa in Form von FAQ-Katalogen – die Planungssicherheit. Auch die Interpretation der Kriterien („nicht alle technischen Bewertungskriterien erfüllt“) bleibt in vielen Fällen anspruchsvoll. Hinzu kommt: Fehleinschätzungen können nicht nur zu Reputationsverlusten, sondern auch zu regulatorischen Konsequenzen führen.

Rolle der Internen Revision

Projektprüfungen und -begleitungen durch die Interne Revision bieten eine wertvolle Möglichkeit, Risiken frühzeitig zu erkennen und geeignete Maßnahmen zu initiieren. Dabei ist die Rolle der Revision klar zu definieren – im Sinne der DIIR-Revisionsstandards sowie unter Berücksichtigung branchenspezifischer Regelungen wie den MaRisk für Kreditinstitute.

Eine Projektprüfung verfolgt das Ziel der abschließenden Beurteilung, während bei der Projektbegleitung vorrangig die Informationsgewinnung im Vordergrund steht. Beide Formen bedürfen einer klaren Ziel- und Scope-Definition.

Empfohlene Vorgehensweise

  1. Bewertung der Wesentlichkeit
    Nicht jedes Projekt erfordert eine Prüfung oder Begleitung. Kriterien wie Budget, strategische Bedeutung, Projektdauer und involvierte Fachbereiche helfen, eine fundierte Auswahl zu treffen.
  2. Festlegung von Scope und Ziel
    Ob Business Case, fachliche Anforderungen oder Projektmanagement – Prüfungsziele wie Ordnungsmäßigkeit, Wirtschaftlichkeit oder Zweckmäßigkeit sind präzise zu definieren.
  3. Konkrete Prüfungshandlungen
    Je nach Prüfgebiet sind unterschiedliche Maßnahmen denkbar – von der Einsicht in Projektunterlagen über Interviews mit Projektverantwortlichen bis hin zur Analyse von Terminplänen oder Testdokumentationen.
  4. Kommunikation der Ergebnisse
    Im Falle einer formellen Prüfung empfiehlt sich ein Zwischenbericht, insbesondere bei mehrjährigen Projekten. Bei einer reinen Projektbegleitung sollten Kommunikationsform und Zielgruppe von Beginn an transparent definiert sein, um Erwartungen klar zu steuern.
  5. Objektivität wahren
    Wer an der Projektbegleitung beteiligt war, sollte bei späteren Regelprüfungen idealerweise nicht als Prüfungsleitung eingesetzt werden, um Interessenkonflikte zu vermeiden.

Alle Tipps auf einen Blick

  • Bedeutung und Risiken der EU-Taxonomie ermitteln
  • Wesentlichkeitsanalyse als Grundlage der Prüfentscheidung
  • Scope und Ziel der Revision klar definieren
  • Kommunikation und Berichterstattung strukturiert aufsetzen
  • Objektivität bei nachgelagerten Regelprüfungen sicherstellen

Fazit

Die Umsetzung der EU-Taxonomie ist kein einmaliges Vorhaben, sondern ein langfristiger Prozess mit hoher regulatorischer Relevanz. Eine frühzeitige Einbindung der Internen Revision – sei es im Rahmen einer Projektprüfung oder -begleitung – kann helfen, Risiken zu minimieren, Transparenz zu schaffen und die Einhaltung gesetzlicher Anforderungen sicherzustellen.

Praxisvertiefung

Autor:
Autorin: Katrin Andriani
Katrin Andriani, CIA, ist Revisorin in der Betriebsrevision der L-Bank Baden-Württemberg. Ihre Schwerpunkte liegen in der Prüfung von Projekten, Prozessen sowie der Umsetzung regulatorischer Anforderungen – insbesondere im Kontext von Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Risikomanagement. (Die im Beitrag dargestellten Inhalte spiegeln persönliche Erfahrungen und Einschätzungen der Autorin wider, nicht die offizielle Position der L-Bank.)

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