Die Automobilbranche – insbesondere der Kfz-Handel und die Fahrzeugfinanzierung – wird regelmäßig als Hochrisikosektor im Kontext der Geldwäscheprävention eingestuft. Die aktuelle Nationale Risikoanalyse sowie erste Ergebnisse der FATF-Deutschlandprüfung bestätigen erneut die besondere Relevanz und Komplexität dieses Sektors. Die Vielzahl beteiligter Akteure, darunter Automobilhersteller, Händler, Finanzdienstleister und Kunden, sowie die Interaktion mit unterschiedlichen Behörden (FIU, BaFin, BAFA etc.) erschweren effektive Präventionsmaßnahmen zusätzlich.
Im Rahmen zweier RoundTables, durchgeführt von der Akademie Heidelberg in Kooperation mit Ankura und BAE Systems, wurden aktuelle Entwicklungen, Schwachstellen und Best Practices diskutiert – mit Fokus auf die spezifischen Herausforderungen für Automobilbanken und Händler.
Aktuelle Phänomene und Herausforderungen
Die Teilnehmenden der RoundTables berichten von einem konstant hohen Maß an Kreativität auf Seiten der Täter. Auffällig ist insbesondere die zunehmende Professionalität bei der Vorbereitung von Betrugs- und Geldwäschehandlungen, etwa durch langjährige „Mantelbetrugs-Konstruktionen“, bei denen gefälschte Bonität durch gezielte Creditreform-Manipulation und hohe Anzahlungen suggeriert wird. Gleichzeitig fällt die mangelnde Transparenz bei wirtschaftlich Berechtigten, insbesondere im internationalen Kontext, als wiederkehrende Schwachstelle auf.
Zahlreiche Beispiele aus der Praxis verdeutlichen die Herausforderungen: gefälschte Ausweisdokumente durch dubiose Vermittler, unzureichende Kundenidentifikation durch Händler, uninformierte Geschäftsbanken trotz Verdachtsmeldungen durch Automobilbanken – all das zeigt: Die Fragmentierung im Sektor verhindert effektive Prävention.
Umgang mit Behörden und regulatorische Schnittstellen
Die Zusammenarbeit mit Aufsichtsbehörden wird von den Teilnehmenden der RoundTables kritisch gesehen. Besonders bemängelt wird, dass der Austausch mit der FIU bislang häufig auf die Meldung eines Geldwäschebeauftragten beschränkt bleibt. Internationale Anforderungen, etwa in Australien oder Japan, erschweren zusätzlich die konzernweite Umsetzung von KYC-Vorgaben.
Hinzu kommen Herausforderungen bei der Integration neuer regulatorischer Anforderungen, etwa im Rahmen der Russland-Sanktionen. Die Identifikation von Eigentümerstrukturen russischer Tochtergesellschaften oder Oligarchennetzwerke gestaltet sich in der Praxis häufig als unzureichend.
Technologienutzung und Innovationen im KYC-Prozess
Technologische Lösungen – etwa Geofencing zur Fahrzeugortung oder automatisierte Abgleiche mit Watchlists – bieten neue Chancen für die Geldwäscheprävention. Dennoch mangelt es an übergreifenden branchenspezifischen Plattformen, die den Austausch relevanter Daten zwischen Verpflichtetengruppen erleichtern würden. Während Ansätze wie der „Fraud Pool“ bei der Schufa als Vorbild dienen könnten, fehlt es bisher an einem einheitlichen Vorgehen für den AML-Bereich in Deutschland.
Ein weiteres Hindernis: fehlende Schnittstellen, z. B. beim Transparenzregister, verhindern effiziente Prozesse. Die manuelle Abfrage sei laut Teilnehmenden zeitintensiv und fehleranfällig
Fazit und Ausblick
Die Automobilbranche bleibt ein zentraler Sektor für Geldwäscheprävention. Die RoundTables haben deutlich gemacht, dass technologische Innovationen, klare vertragliche Regelungen mit Händlern sowie verbesserte Zusammenarbeit mit Behörden entscheidende Hebel darstellen. Gleichzeitig besteht dringender Handlungsbedarf beim Aufbau von Austauschplattformen, bei der Schulung von Händlern und bei der Integration internationaler Compliance-Anforderungen.
Insbesondere vor dem Hintergrund wachsender geopolitischer Spannungen, vermehrter Nutzung von Luxusgütern zur Geldwäsche und einer als verbesserungswürdig eingestuften FATF-Bewertung des Nichtfinanzsektors, ist jetzt ein strategisches, sektorübergreifendes Vorgehen erforderlich.
Weiterführende Hinweise und Veranstaltungen
Die Akademie Heidelberg bietet regelmäßig RoundTables und Fachseminare zum Thema Geldwäscheprävention in der Automobilbranche an. Ergänzend empfiehlt sich insbesondere:
Seminar: Geldwäscheprävention – Herausforderungen im Kfz-Handel und in der Finanzierung erkennen und meistern
Whitepaper: Download Whitepaper RoundTable vom 31. März 2022, Download Whitepaper RoundTable vom 22. Juni 2022
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